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Baum kappen oder Kronenschnitt? Warum Kappen schadet

von Redaktion4 Min. Lesezeit

Der Baum ist zu groß geworden, wirft zu viel Schatten oder macht bei Sturm Sorgen. Da liegt der Gedanke nahe, ihn einfach auf halber Höhe abzusägen. Das Wichtigste vorweg: Einen Baum zu kappen, schadet ihm fast immer dauerhaft und macht ihn auf Dauer unsicherer, nicht sicherer. Ein fachgerechter Kronenschnitt kann einen Baum dagegen kleiner machen und trotzdem gesund erhalten. Hier lesen Sie, worin der Unterschied liegt.

Was ist eine Kappung?

Bei einer Kappung werden Stamm oder Starkäste ohne Rücksicht auf den Kronenaufbau abgeschnitten, oft auf einer einheitlichen Höhe. Zurück bleiben dicke Stummel ohne Seitenäste. Das Landratsamt Altötting schreibt dazu in einem Merkblatt deutlich: Eine Kappung ist keine Baumpflegemaßnahme.

Nicht zu verwechseln ist die Kappung mit dem Kopfbaumschnitt, etwa bei Kopfweiden. Dort wird der Baum von jung an regelmäßig an denselben Stellen geschnitten, und er ist darauf eingestellt.

Was beim Kappen im Baum passiert

  1. Große Wunden: Dicke Schnittflächen kann der Baum kaum abschotten. Pilze dringen ein, im Inneren entsteht Fäule
  2. Hungerstress: Mit der Krone verliert der Baum einen großen Teil seiner Blätter und damit seine Energiequelle. Auch Wurzeln sterben ab
  3. Notaustrieb: Der Baum reagiert mit vielen schnell wachsenden, steilen Trieben direkt an den Schnittstellen. Fachleute nennen sie Ständer
  4. Bruchgefahr: Diese Triebe sitzen nur locker am faulen Holz. Wenn sie nach einigen Jahren groß und schwer sind, brechen sie leicht aus

Das Ergebnis: Nach wenigen Jahren ist der Baum wieder so hoch wie vorher, aber dichter, kränker und gefährlicher. Laut dem Merkblatt des Landratsamts kostet die Pflege eines gekappten Baumes auf Dauer etwa das Vier- bis Fünffache einer regelmäßigen fachgerechten Pflege, weil er immer wieder nachgeschnitten werden muss.

Die Alternative: ein fachgerechter Kronenschnitt

Ein guter Kronenschnitt orientiert sich an den Regeln der ZTV-Baumpflege, dem Regelwerk für fachgerechte Baumpflege in Deutschland. Je nach Ziel gibt es verschiedene Schnitte:

  • Kroneneinkürzung: Die Krone wird gleichmäßig verkleinert, indem Äste auf einen tiefer stehenden Seitenast, den sogenannten Zugast, abgeleitet werden. Die natürliche Form bleibt erhalten
  • Kronenauslichtung: Einzelne Äste werden entnommen, damit mehr Licht und Wind durch die Krone gehen. Das verringert die Windlast
  • Totholzentfernung: Abgestorbene Äste werden entfernt. Das ist die wichtigste Maßnahme für die Verkehrssicherheit
  • Kronensicherung: Ein Seil zwischen den Starkästen verhindert, dass bruchgefährdete Äste herabfallen

Wie dick dürfen Schnitte sein? Nach der ZTV-Baumpflege gilt: Bei Arten, die Wunden schlecht abschotten, wie Rosskastanie, Birke oder Weide, sollten Schnittstellen höchstens 5 Zentimeter dick sein. Bei gut abschottenden Arten wie Linde, Eiche oder Ahorn höchstens 10 Zentimeter. Je kleiner die Wunde, desto besser für den Baum.

Wann darf ein Baum stark geschnitten werden?

Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet vom 1. März bis 30. September starke Rückschnitte an Bäumen, die außerhalb von Wald und gärtnerisch genutzten Flächen stehen, etwa an Straßen, auf Firmengeländen oder in der freien Landschaft. Bäume in Hausgärten sind davon ausgenommen. Brütende Vögel und ihre Nester sind aber überall und das ganze Jahr geschützt. Schonende Form- und Pflegeschnitte sind ganzjährig erlaubt.

Größere Einkürzungen sollten deshalb im Winter erfolgen, am besten gegen Ende Februar. Dann ist die Vogelschutzzeit noch nicht angebrochen, und der Baum kann die Wunden mit dem Austrieb im Frühjahr bald abschotten. Gibt es in Ihrer Gemeinde eine Baumschutzsatzung, kann auch für einen starken Schnitt eine Genehmigung nötig sein. Mehr dazu lesen Sie im Ratgeber Baum fällen: Genehmigung im Allgäu.

Was tun mit einem bereits gekappten Baum?

Ein gekappter Baum lässt sich oft noch über Jahre erhalten, braucht aber regelmäßige Pflege:

  • Ständer auslichten: Nach einigen Jahren werden die stärksten und am besten angebundenen Triebe als neue Kronenäste ausgewählt, die übrigen entfernt
  • Regelmäßig kontrollieren: Die Bruchgefahr der neuen Triebe und die Fäule an den alten Schnittstellen müssen im Blick bleiben. Eine Baumkontrolle zeigt, ob der Baum noch sicher ist
  • Ehrlich abwägen: Ist die Fäule zu weit fortgeschritten, ist eine Fällung mit einer Neupflanzung manchmal die bessere Lösung

Kappen ist keine Lösung für einen zu großen Baum

Wenn ein Baum zu groß für seinen Standort ist, gibt es drei sinnvolle Wege: eine regelmäßige, maßvolle Kroneneinkürzung, eine Fällung mit Ersatzpflanzung einer kleineren Art oder, bei Obstbäumen, ein Erhaltungsschnitt. Wie Sie Obstbäume klein halten, lesen Sie in den Ratgebern Apfelbaum schneiden und Kirschbaum schneiden. Auch beim Trompetenbaum gibt es eine schonende Alternative zum radikalen Rückschnitt.

Wir schneiden Ihren Baum fachgerecht

Baumpflege Pemsl pflegt Bäume im ganzen Allgäu, in Oberschwaben und am Bodensee nach den Regeln der ZTV-Baumpflege. Wir sehen uns Ihren Baum an, sagen Ihnen ehrlich, ob ein Schnitt sinnvoll ist, und verkleinern die Krone so, dass der Baum gesund bleibt. Mit Seilklettertechnik erreichen wir auch große Kronen über Dächern und in engen Gärten.

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Häufige Fragen

Darf man einen Baum kappen? Verboten ist es nicht grundsätzlich. Außerhalb von Gärten sind starke Rückschnitte vom 1. März bis 30. September nach dem Bundesnaturschutzgesetz aber untersagt, und brütende Vögel dürfen nie gestört werden. Eine Baumschutzsatzung kann eine Kappung ganz verbieten. Fachlich ist eine Kappung nicht zu empfehlen, weil sie dem Baum dauerhaft schadet.

Was ist der Unterschied zwischen Kappen und Kroneneinkürzung? Beim Kappen werden Äste ohne Rücksicht auf die Krone auf einer Höhe abgeschnitten, es bleiben dicke Stummel. Bei einer Kroneneinkürzung werden Äste auf tiefer stehende Seitenäste abgeleitet. Die Krone wird kleiner, behält aber ihre Form, und die Wunden bleiben klein.

Wie stark darf man einen Baum zurückschneiden? So wenig wie möglich. Nach der ZTV-Baumpflege sollten Schnittstellen je nach Baumart höchstens 5 bis 10 Zentimeter dick sein. Stärkere Eingriffe sind besser auf mehrere Jahre zu verteilen.

Wächst ein gekappter Baum wieder nach? Ja, oft sogar schnell. Er bildet viele steile Triebe an den Schnittstellen. Diese sind aber schlecht verankert und können später ausbrechen. Ein gekappter Baum braucht deshalb regelmäßige Pflege.

Wann ist die beste Zeit für einen starken Kronenschnitt? Im Winter, am besten gegen Ende Februar, also vor Beginn der Vogelschutzzeit am 1. März. Dann kann der Baum die Wunden mit dem Austrieb im Frühjahr bald abschotten.

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