Zwetschgen gehören zum Allgäuer Garten wie der Apfelbaum, und der Zwetschgendatschi im Spätsommer ist für viele ein Muss. Damit der Baum regelmäßig trägt und gesund bleibt, braucht er einen Schnitt, aber einen anderen als der Apfel. Das Wichtigste vorweg: Zwetschgen- und Pflaumenbäume schneiden Sie am besten im Spätsommer direkt nach der Ernte oder im zeitigen Frühjahr kurz vor dem Austrieb. Der Schnitt sollte maßvoll sein, denn Zwetschgen reagieren auf starke Rückschnitte mit vielen steilen Trieben und Gummifluss.
Zwetschge oder Pflaume: Gibt es einen Unterschied beim Schnitt?
Nein. Die Zwetschge ist eine Unterart der Pflaume. Zwetschgen sind länglich, kleiner und lassen sich gut vom Stein lösen. Pflaumen sind rund und saftiger. Mirabellen und Renekloden gehören ebenfalls dazu. Geschnitten werden alle nach denselben Regeln.
Wann schneidet man einen Zwetschgenbaum?
Zwetschgen und Pflaumen sind Steinobst. Zwei Zeitpunkte haben sich bewährt:
- Nach der Ernte, im August oder September: Der Baum ist noch im Saft und kann die Wunden vor dem Winter abschotten. Ein Schnitt jetzt bremst außerdem das Wachstum
- Im zeitigen Frühjahr, kurz vor dem Austrieb: Etwa im März an einem trockenen, frostfreien Tag. Er eignet sich vor allem für den Aufbau junger Bäume
Einen Schnitt im Spätherbst oder mitten im Winter sollten Sie vermeiden. Wunden bleiben dann lange offen, und Krankheitserreger haben leichtes Spiel.
Darf ich im Sommer und im Frühjahr schneiden? Ja. Bäume in Hausgärten sind vom Schnittverbot des Bundesnaturschutzgesetzes vom 1. März bis 30. September ausgenommen, und schonende Pflegeschnitte sind ohnehin immer erlaubt. Prüfen Sie aber vorher, ob Vögel in der Krone brüten, denn sie sind das ganze Jahr geschützt.
So trägt die Zwetschge
Zwetschgen tragen vor allem an kurzen Fruchttrieben auf zwei- bis dreijährigem Holz. Ältere Fruchtäste lassen nach und hängen mit der Zeit durch. Junge, steile Triebe tragen erst einmal gar nicht. Daraus folgt die wichtigste Regel: Fruchtholz laufend erneuern und steile Triebe im Inneren entfernen, statt alle Triebe einzukürzen.
Jungen Zwetschgenbaum schneiden
- Pflanzschnitt: Drei bis vier gleichmäßig verteilte Leitäste auswählen und um etwa ein Drittel einkürzen. Ein Abgangswinkel von rund 45 Grad zum Stamm ist ideal
- Mitteltrieb: Er bleibt etwas länger als die Leitäste, damit die Krone eine Pyramidenform bekommt
- Konkurrenztriebe: Jedes Jahr die Triebe entfernen, die steil neben dem Mitteltrieb oder den Leitästen nach oben wachsen
- Krone locker halten: Nach innen wachsende Triebe an der Basis entfernen
Nach etwa fünf bis sieben Jahren ist das Kronengerüst aufgebaut. Danach geht es nur noch um den Erhaltungsschnitt.
Älteren Zwetschgenbaum schneiden
- Totes, krankes und abgebrochenes Holz entfernen
- Steile Triebe im Kroneninneren an der Basis wegschneiden, am besten schon im Sommer, solange sie dünn sind
- Hängende, abgetragene Fruchtäste auf einen jüngeren Trieb weiter oben ableiten
- Zu hohe Äste auf einen tiefer stehenden, nach außen wachsenden Seitenast zurücknehmen
- Maßvoll bleiben: Lieber jedes Jahr ein wenig als alle paar Jahre viel. Ein stark verwilderter Baum wird über mehrere Jahre verjüngt
Krankheiten: Was der Schnitt damit zu tun hat
- Monilia-Fruchtfäule: Faulende Früchte mit grauen Schimmelpolstern, die als Fruchtmumien am Baum hängen bleiben. Entfernen Sie Fruchtmumien und befallene Triebe konsequent, auch beim Winterrundgang
- Narrentaschen: Im Frühjahr verformte, längliche Früchte ohne Stein. Auch sie sollten Sie früh abpflücken
- Gummifluss: Eine bernsteinfarbene, harzartige Masse an Rinde oder Wunden. Sie ist ein Zeichen von Stress, oft nach zu starkem Schnitt. Maßvolle Schnitte beugen vor
- Scharka: Ringförmige Flecken auf Blättern und eingesunkene Stellen auf den Früchten. Die Viruskrankheit lässt sich nicht heilen. Bei Verdacht lassen Sie den Baum prüfen, stark befallene Bäume werden meist gerodet
Eine lockere Krone, die nach Regen schnell abtrocknet, ist der beste Schutz gegen Pilzkrankheiten.
Die häufigsten Fehler
- Schnitt im Spätherbst oder Winter: Die Wunden bleiben lange offen
- Starker Rückschnitt: Die Zwetschge reagiert mit Gummifluss und einer Flut steiler Triebe
- Alle Triebe einkürzen: Die Krone wird dichter statt lichter
- Stummel stehen lassen: Immer am Astring schneiden
Mehr zu den anderen Obstbäumen und ihren Schnittzeiten lesen Sie im Ratgeber Obstbäume schneiden im Winter. Auch die Kirsche gehört zum Steinobst, siehe Kirschbaum schneiden.
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Häufige Fragen
Wann schneidet man einen Zwetschgenbaum? Am besten direkt nach der Ernte im August oder September oder im zeitigen Frühjahr kurz vor dem Austrieb. Im Spätherbst und Winter sollten Sie nicht schneiden, weil die Wunden dann lange offen bleiben.
Wie stark darf man einen Pflaumenbaum zurückschneiden? Nur maßvoll. Zwetschgen und Pflaumen reagieren auf starke Rückschnitte mit Gummifluss und vielen steilen Trieben. Verteilen Sie einen Verjüngungsschnitt auf mehrere Jahre.
Werden Zwetschge und Pflaume gleich geschnitten? Ja. Die Zwetschge ist eine Unterart der Pflaume. Für beide, für Mirabellen und für Renekloden gelten dieselben Schnittregeln.
Wie halte ich einen Zwetschgenbaum klein? Durch regelmäßiges Ableiten der höchsten Äste auf tiefer stehende Seitenäste, am besten jedes Jahr nach der Ernte. Für kleine Gärten eignen sich Sorten auf schwach wachsender Unterlage.
Was tun bei Gummifluss am Zwetschgenbaum? Gummifluss ist ein Stresszeichen. Vermeiden Sie starke Schnitte, große Wunden und Verletzungen der Rinde und achten Sie auf eine gute Wasserversorgung. Bei starkem Gummifluss lassen Sie den Baum fachlich prüfen.




